Spargel - königliches Gemüse

Wenn der Frühling so richtig seine Kraft entfaltet hat, wenn die Natur wieder grün geworden ist, also Anfang oder Mitte Mai, und wenn dann noch einige Tage schönes Wetter angekündigt sind, ja dann zieht es mich und meinen treuen Oskar wieder hinaus. Dann ist Spargelzeit in Süddeutschland. Der Winter ist vorbei, der Vorfrühling auch, es ist wieder warm draußen und die Sommerreifen sind auch schon längst montiert. Ach ja, Oskar – das ist mein treuer VW-Bus, schon ein Vierteljahrhundert alt und mit Asphalterfahrungen auf drei Kontinenten. Nein, er ist weder zeitgemäß noch abgasreduziert, aber irgendwie gehören wir zusammen wie Pfeffer und Salz.

 

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Nun also wollen wir uns, wie so oft in den letzten Jahren, wieder auf unsere Spargelrundreise begeben. Beginnen wir diesmal an der Donau, in Abensberg, das auf geradem Weg von München auf der deutschen  Hopfenstraße erreichbar ist.

 Abensberger Spargel

Das Abensberger Anbaugebiet ist klein, der Spargel aber köstlich. In Sandharlanden, einem kleinen Dorf nördlich von Abensberg kehre ich das erste Mal ein. Mein Ziel ist das Restaurant Hammermeier, und es gibt – Spargel! Auf verschlungenen Wegen und einigen Pausen (hier gibt es viel zusehen!) kommen wir nach Schrobenhausen. 

Spargel aus Schrobenhausen

Hier ist das größte Spargelanbaugebiet Südbayern und hier befindet sich das Europäische Spargelmuseum. Hier mache ich im Altstadthotel Station, ein Hotel mit langer Tradition. Von Schrobenausen aus geht die Fahrt dann weiter zur Donau (unterwegs mache ich Pause in Niederschönenfeld mit seiner interessanten Klosterkirche), dann geht es weiter durch den Naturpark Altmühltal nach Franken. 

Fränkischer Spargel

Auch auf den sandigen Böden rund um Nürnberg und in der Bamberger Gegend gedeiht der Spargel prächtig. Und weil er hier so prächtig wächst, wird in Roth, der kleinen romantischen Stadt südlich von Nürnberg, der Spargel gefeiert. Am Samstag, den 7. Mai 2016 findet hier das Spargelfest statt Die heimischen Spargelbauern bieten ihren Spargel frisch gestochen vom Feld an. Zusammen mit dem samstäglichen Bauernmarkt und vielen weiteren Anbietern dreht sich von 8 bis 14 Uhr alles um das Thema Spargel.

Ab 8 Uhr geht es los, auf dem Rother Marktplatz beginnt der Markt. Gegen 10 Uhr eröffnen dann die Staufer Burgbläser zusammen mit dem Landfrauenchor den offiziellen Teil der Veranstaltung. In lockerer beschwingter Weise führen Roths 1. Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Landrat Herbert Eckstein durch das Programm. Unterstützt werden sie von der amtierenden Spargelprinzessin des Landkreises Roth. Traditionell überwacht sie den traditionellen Spargelschälwettbewerb, bei dem wieder attraktive Preise gewonnen werden können. Die Bewirtung übernimmt das Gasthaus „Valentin`s“ und serviert leckere Gerichte rund um den Spargel. Weitere Spargelgerichte bietet auch der Freundeskreis „Roter Schwan“ und das „Wirtshaus im Löwenkeller“ an. Das Spargelfest in Roth ist einen Besuch wert, wie übrigens auch die ganze Stadt; sie hat eine schöne Altstadt und veritables Schloss.

Weiter geht es dann nach Westen. Eine gemütliche Fahrt durch die Schwäbische Alb bringt mich nach Freudenstadt und dann durch den Schwarzwald nach Baden-Baden. Vor hier aus führt die Badische Spargelstraße direkt nach Schwetzingen.

Schwetzinger Spargel

Der Schwetzinger Meisterschuss ist keine kurpfälzische Variante zum Meisterschuss von Wilhelm Tell, sondern der Name einer Spargelsorte, die besonders rund um Schwetzingen angebaut wird. Schwetzinger Spargel ist ein Begriff für Spargelfreunde in ganz Deutschland, ja darüber hinaus. Die Spargelzeit ist die ideale Gelegenheit, die kleine Stadt in der Kurpfalz zu besuchen.

„Bis Johanni – nicht vergessen – sieben Wochen Spargel essen“ so lautet der Spruch. Sieben Wochen, von Ende April bis Johanni (24. Juni) wird Spargel gestochen. Dann regiert das königliche Gemüse die Speisekarten in den Restaurants und die Küchen der Hausfrauen. Schon im 17. Jahrhundert wurde das „königliche Gemüse“ im Schwetzinger Schlossgarten angebaut. Jedoch war es strikt der kurfürstlichen Tafel vorbehalten. Doch erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Spargel in nennenswertem Umfang angebaut und auf dem Mannheimer Markt verkauft. Heute kann man das essbare Elfenbein auf dem Schwetzinger Spargelmarkt oder direkt beim Spargelhof erwerben, stets frisch gestochen.
In der milden Morgensonne liegen die Spargelfelder, die Reihen der Erdwälle exakt und gerade ausgerichtet. Hier und da erkennt man kleine Unterbrechungen in der glatten Erde. Hier stecken die Triebe ihre Köpfe heraus, bevor die Bauern die Spargel stechen. Zweimal täglich werden die frischen Sprossen der Spargelpflanze gestochen. Nach dem Stechen werden die Spargelstangen gewaschen und nach Größe und Qualität sortiert, dann kann er verkauft werden. Schwetzingen ist wohl das Zentrum des badischen Spargelanbaus, doch ist es nicht der einzige Ort in Baden, wo Spargel angebaut wird. Bis in die Gegend von Baden-Baden gibt es die typischen Spargelgärten. Die badische Spargelstraße, die sich von Schwetzingen aus über Hockenheim, Bruchsal , vorbei an Karlsruhe nach Rastatt und dann weiter bis Lichtenau südlich von Baden-Baden führt, verbindet alle Orte und bietet die Gelegenheit zu einer kulinarischen Entdeckungsreise.

Der Schwetzinger Spargelmarkt findet noch heute an der Stelle statt, an dem schon am Ende des 19. Jahrhunderts die Spargelfrauen ihre Ware feilboten. In den Ständen liegen die verschiedenen Sorten, der Kunden kann auswählen und erhält immer seinen Spargel nach Wunsch. Doch haben sie heute eine „besondere“ Kollegin. Eine beeindruckende Bronzeplastik hält die Szenerie aus dem vergangenen Jahrhundert fest: eine Spargelfrau, komplett mit gutbestückten Verkaufstisch. Und eine junge Kundin ist auch schon da, begleitet von einem kleinen Hund. Die Bronzeplastik des Künstlers Franz-W. Müller-Steinfurt ist eine Hommage an alle Schwetzinger Spargelfrauen und macht so Jahr ein, Jahr aus auf das edle Gemüse aus Schwetzingen aufmerksam. Ebenso wie das Maiglöckchen ist der Spargel ein zuverlässiger Frühlingsbote. Und dass sowohl das Maiglöckchen wie auch der Spargel der gleichen Familie angehören, den Liliengewächsen, sein hier nur am Rande erwähnt.
Im Hotel Erbprinzen gibt dann die letzte Spargelmahlzeit.

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