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  • Zuletzt aktualisiert: Freitag, 08. Februar 2013 09:15
  • Veröffentlicht: Montag, 28. Januar 2013 15:32
  • 01 Jul

Immer noch Chur.

Gestern Abend war ich im Romantik-Hotel Stern zum Abendessen. Es war ein herrlicher Abend, in mehrfacher Hinsicht

Die Terrasse, die direkt an der Reichsgasse liegt, war gut besucht, wer möchte an einem so warmen Frühlingsabend nicht im Freien sitzen. Am Nebentich sechs altere Herren, alle schon sichtbar in Pension oder Rente. Sie unterhalten sich, jeder auf seine Art. Da ist der Techniker oder Ingenieur, hager und sportlich, er berichtet von Wanderungen und seiner Dienststelle. Da ist der ehemalige Lokführer der Rhätischen Bahn, der immer noch von seinen Erlebnissen berichtet und spannend erzählt, wie er im Winter seinen Zug über den Bernina gefahren hat. Da ist der ehemalige Banker, auch im Ruhestand immer korrekt mit Anzug und Krawatte, der über die unsoliden Bankgeschäfte der heutigen Zeit räsoniert. Jeder

der Herren ist anders, erzählt anders, und doch fühlen sie gemeinsam.

Auch kulinarisch war der Abend wirklich ein Erlebnis. Ich wolle echte Bündner Spezialitäten probieren, und überließ dem Küchenchef Auswahl und Entscheidung. Ich sollte es nicht bereuen. Als Vorspeise ein Teller mit verschiedenen Schinkenspezialitäten, von Bündnerfleisch bis zum Wildscheinschinken, dazu einen gehaltvollen Pinot Noir aus Maienfeld. Dann wurden Crapuz serviert, kleine Rouladen aus Mangoldblättern, die mit Hackfleisch und Polenta gefüllt waren, dazu ein fruchtiger Weißwein aus dem Puschlav. Als Hauptgericht eine gebackene Kalbsleber, auf den Punkt gebraten, mit Kartoffelstampf und feinem Gemüse, dazu gab es einen köstlichen Spätburgunder. Die Engadiner Nusstorte, die als Nachtisch vorgesehen war, ließ´ich ausfallen.

Vormittag besuche ich den Dom und das Rhätische Museum, beides ein wichtige Sehenswürdigkeiten, beide sind sehr interessant. Im Dom treffe ich die Küsterin, die mit den Vorbereitungen für eine Feier intensiv beschäftigt ist und am liebsten die Kirche für sich allein gehabt hätte. Leider konnte ich ihr diese Freude erst nach einiger Zeit machen. Gleich gegenüber des Domes, im Torturm, befindet sich ein Restaurant im historischen Gewölbekeller. Auch an heißen Tagen ist es hier schön kühl, Essen und Bier schmecken dann besonders gut.

Am Nachmittag erhalte ich den Anruf „Ihr Auto isch fertig“. Mit dem Taxi fahre ich hinaus ins Industriegebiet, in dem die Autowerkstatt liegt. Es kommt doch immer auf die Lösung eines Problems an. Obwohl ein Ersatzschlauch nicht so schnell zu bekommen war, ist der Kühlkreislauf wieder intakt. Das schadhafte Schlauchstück wurde mit einem U-Stück aus Wasser-Rohren überbrückt, die Rechnung für den Kunstgriff beläuft sich auf 35 Franken. Und es hält, so kann ich die Fahrt nach Süden antreten, und auch der 2000 m hohe Julier-Pass ist kein Problem mehr.

Brav zieht Oskar durch Kehren und Kurven. Er ist ja mit 24 Jahren nicht mehr der Jüngste, und von seinen 80 Pferden ist wahrscheinlich auch schon das eine oder andere davongelaufen. Aber ohne Probleme erreichen er und ich die Passhöhe, ohne kochendem Kühlwasser oder anderen Widrigkeiten. Ich gönne uns beiden eine Verschnaufpause, Oskar kühlt ab, ich koche Kaffee gegen den kalten Wind, der über die Passhöhe bläst und immer dunklere Wolken heranschiebt, bis es dann doch noch zu Regnen beginnt.

Bei Regen beginne ich meine Fahrt hinunter ins Engadin, bei Regenwetter erreiche ich St. Moritz.