Die Burgenstrasse von Mannheim bis Nürnberg

  

Vom Rhein bis zur Rezat und weiter bis zur Moldau - die Burgenstraße führt quer durch Süddeutschland von Mannheim über Nürnberg bis nach Prag. Der erste Teil, von Mannheim nach Nürnberg wollen wir Ihnen hier vorstellen. Wir starten in der Industrie- und Handelsstadt Mannheim, dann über Heidelberg und entlang des Neckars nach Heilbronn. Durch Hohenlohe fahren wir zum Taubergrund mit seinem Highlight Rothenburg, schließlich führt uns die Burgenstraße durch Mittelfranken über die Residenzstadt Ansbach nach Nürnberg, wo der erste Teil der Route endet.

 

Von Mannheim nach Heidelberg

Schon bei der Ankunft in Mannheim wird sehr schnell klar, die Stadt ist einer der wichtigen Industriestandorte Deutschlands. Als wir über die Autobahn  in die Stadt hineinrollen, fragen wir uns, warum ausgerechnet hier die Burgenstraße beginnen soll. Überall rauchende Schlote, große Hallen und Industriebetriebe. Burgenromantik? Fehlanzeige! Erst im Zentrum ändert sich die Lage oder besser gesagt, die Ansicht.
Ein weiter Platz mit Kopfsteinpflaster, darum herum die Gebäude eines Barockschlosses, die roten Sandsteinpartien wechseln mit beige-gestrichenen Mauern ab. Das Mannheimer Schloss, Residenz des Wittelsbachers Karl Theodor, beherrscht die südwestliche Seite der Altstadt Mannheims. Wobei wir Altstadt nicht so wörtlich nehmen dürfen, denn das Zentrum Mannheims wurde im 17. Jahrhundert als Festung auf dem strategischen Platz zwischen Rhein und Neckarmündung erbaut und, ausgehend vom Schloss, in Planquadrate eingeteilt, eine Konzeption, die im 17. Jahrhundert in Europa einmalig war. Doch die Region am Rhein hatte es schwer, immer wieder wurde Mannheim und die Kurpfalz durch Kriege verwüstet, das heutige Schloss ist der dritte Bau, und auch dieser wurde während des Krieges weitgehend zerstört. Beim Wiederaufbau wurden nur das Treppenhaus mit den Fresken von Cosmas Damian Asam, der Rittersaal und die Schlosskirche original restauriert, die übrigen Gebäude des Schlosses beherbergen heute die Universität Mannheim. Das Schloss in Mannheim, hier also beginnt sie, die Burgenstraße.
Die Bundesstraße 36 bringt uns schnell, weil gut ausgebaut, nach Schwetzingen. Schwetzinger Spargel ist weit um bekannt, und wer die Tour jetzt im Frühling bereist, darf es nicht versäumen, diese Spezialität zu probieren. Doch nicht nur Spargel haben das kleine Städtchen zwischen Mannheim und Heidelberg bekannt gemacht, es ist auch das Schloss und der Schlosspark, der ein Besuch in Schwetzingen lohnt. Wieder ist es eine Residenz der kurpfälzischen Fürsten, das auf den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg um 1700 erbaut wurde. Unter Kurfürst Karl Theodor wurde das Schloss weiter ausgebaut und das Schlosstheater errichtet, eines der schönsten Rokoko-Theater Süddeutschlands; noch heute finden im Sommer dort Festspiele statt. Unter Karl-Theodor entstand auch der Schlossgarten mit seinen vielen Gebäuden, Brunnen und verschwiegenen Winkeln. Der Park fasziniert uns, immer wieder ergeben sich überraschende Blicke auf das Schloss, die Moschee oder einen Brunnen. Die weißen Figuren bilden eine besonderen Kontrast zum umgebenden Grün der Bäume. Breite Wege wechseln mit stillen Alleen, Bäume und Blumen zeigen ihre ganze Pracht. Und hätte nicht ein aufziehendes Gewitter uns vertrieben wie weiland Adam und Eva aus dem Paradies, so würden wir wohl heute noch durch den Park gehen...

Heidelberg

Heidelberg – der Inbegriff deutscher Romantik und Studentenherrlichkeit. Wir bummeln durch die engen Gassen der Stadt, lassen uns treiben mit dem Strom der Menschen. Es ist eine junge Stadt, dazu tragen nicht nur die vielen Studenten der Universität bei, die Stadt, einst stolze Residenz der Pfalzgrafen bei Rhein und der Kurfürsten, wurde 1693 von französischen Truppen fast völlig zerstört, nur wenige Bauten wie die Heiliggeistkirche, das Haus zum Ritter, der Marstall und – als imposanten Ruine - das Heidelberger Schloss blieben erhalten. Die Stadt wurde im Stil des Barocks wieder aufgebaut. Nur das Schloss blieb Ruine, die Kurfürsten zogen um nach Mannheim und Schwetzingen.
Das Schloss, hundert Meter über dem Neckar, ist auch als Ruine noch eine beeindruckende Anlage. Die ältesten erhaltenen Teile stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die bedeutendsten Bauten, der Gläserne Saalbau, der Ottheinrichsbau und der Friedrichsbau entstanden im ausgehende 16. und beginnenden 17. Jahrhundert im Stil der Renaissance.
Von der Stadt sind wir hinaufgelaufen zum Schloss und stehen nun vor dem Eingang. Mächtige Türme und Mauern schützen das Schloss, manche noch unversehrt wieder mächtige quadratische Torturm, andere nur noch zur Hälfte erhalten wie der Krautturm oder der Turm mit dem schönen Namen „Seltenleer“. Meterdick sind die Mauern, die zum Teil den Versuchen der französischen Truppen, sie zu sprengen, erfolgreich widerstanden. Das Rot des Odenwälder Sandsteins leuchtet in der Sonnen und gibt einen schönen Kontrast gegen den blauen Himmel. Über die gemauerte Brücke und durch den Torturm mit den beiden Riesen im Harnisch kommen wir in den Schlosshof. Was muss dies eine prachtvolle Residenz gewesen sein, bevor das Schloss zerstört wurde. Hier wurde die Renaissance in ihrer schönsten Form gestaltet. Die leeren Fenster des Ottheinrichsbau, mit Figuren, Friesen und Säulen aufwendig gestaltet, kaum ein Stück Wand blieb ohne Schmuck. Auf der nördlichen Hofseite der Friedrichsbau, schon späte Renaissance, der im 19.Jahrhundert wieder aufgebaut wurde. Wir wandern durch das Schloss, machen eine Führung mit (zu empfehlen), die uns auch zum Faßbau, einer Zutat des trinkfesten Kurfürsten Johann Casimir, bringt. Das riesige Fass darin entstand erst 1720.
Am nächsten Morgen gehen wir über die alte Neckarbrücke mit ihren markanten Rundtürmen hinüber auf die andere Seite des Neckars und hinauf zum Philosophen-Weg. Unter uns breitet sich Heidelberg aus, es ist, als Lage ein besonderer Glanz über der Stadt, im frühen Licht des Morgens. Auf dem Neckar gleitet ein Frachtschiff vorbei auf seinem Weg zum Rhein und nur ganz leise dringt der Lärm des Verkehrs zu uns herauf. Doch unser Blick wendet sich Neckaraufwärts...

Am Neckar entlang

Von Heidelberg aus bleiben wir zunächst auf dem linken Neckarufer und fahren flussaufwärts. In Neckargemünd, einem kleinen, freundlichen Städtchen, überqueren wir den Fluss und setzten unsere Fahrt auf dem nördlichen Ufer fort. Neckarsteinach, ist ein malerischer Ort, der gleich vier Burgen aufzuweisen hat: Vorder-, Mittel-, Hinterburg und die Burg Schareck. Besonders interessant soll die Hinterburg sein, und so machen wir uns auf dem Weg hinauf. Nach 30 Minuten stehen wir im Hof der Burg. Der Bergfried, mit seinen dicken Buckelquadern ein Bau der Stauferzeit, ist als Aussichtsturm begehbar, von oben bietet sich ein herrlicher Blick auf des Neckartal und die Höhen des Odenwaldes.
In vielen Windungen hat sich der Neckar durch das harte Gestein des Odenwaldes gegraben. An einer besonders kühnen Schleife liegt das bezaubernde Städtchen Hirschhorn. Die Bundesstraße schneidet diese Flussschleife elegant mittels eines kleinen Tunnels ab, sodass nun die Stadt ruhig und erhaben über dem Neckar liegt. Terrassenförmig wächst die Stadt hinauf bis zur Burg, in der heute ein komfortables Hotel untergebracht ist. Ein Spaziergang durch die Gassen der Stadt, die ihre Stadtmauer noch hat, lohnt sich. Auch der Luftkurort Eberbach ist gut für eine Pause. Alte Fachwerkhäuser befinden sich an der östlichen Stadtmauer und am Neckarufer. Sehenswert ist auch das Thalheimsche Haus, das 1390 erbaut wurde. Über der Stadt thront die Burg Eberbach, einst die größte Burg der Hohenstaufen. Im Wirtshaus Krabbenstein, dem ältesten Wirtshaus der Stadt, essen wir zu Mittag, es schmeckt uns, dann fahren wir weiter. Die Burg Zwingenberg, ihre Anfänge gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück, wurde im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut und kann besichtigt werden. Außerdem gibt es eine Schlossgaststätte. Hinter der Burg beginnt ein Wanderweg durch die Wolfsschlucht. Die romantische Schlucht soll den Komponisten Carl Maria von Weber zu seiner Oper „Der Freischütz“ inspiriert haben. Nun, das wollen wir uns nicht entgehen lassen und so wandern wir den gut markierten Weg aufwärts bis zur Bildeiche. Der Weg führt weiter zum Katzenbuckel, dem höchsten Berg des Odenwaldes, doch uns knurrt schon der Magen und so machen wir uns auf den Rückweg. Lustig plätschert der Bach neben dem weg und zeigt uns die Richtung. Neckargerach ist der nächste Ort, auf der anderen Neckarseite thront auf einem Bergkegel und im Wald kaum zu erkennen, die Minneburg, schließlich erreichen wir Neckarelz, das zur Stadt Mosbach gehört.
Mosbach, ein romantisches Städtchen im Elztal, nur wenige Kilometer von der Mündung der Elz in den Neckar entfernt, bietet sich als Standquartier für eine Reise im Neckartal und im östlichen Odenwald an. Rund um das Rathaus gibt es nur Fachwerk, und ein Haus ist schöner wie das andere, das Palm’sche Haus am Marktplatz ist sicher das prächtigste. Hinter Mosbach geht es nun Schlag auf Schlag: die Burgen links und rechts des Neckar häufen sich nun, wie sonst nur am Rhein möglich ist. Da ist die Burg Hornberg, hoch über Neckarzimmern. Auf der der Burg lebte und starb Götz von Berlichingen, ein kleines Museum erinnert daran. Doch auf der Burg gibt es auch ein Burghotel mit einem ausgezeichneten Restaurant; wie wir feststellen konnten. Nur wenige Kilometer neckaraufwärts dann Gundelsheim mit dem Schloss Horneck, früher eine Burg des Deutchen Ordens jetzt Heimathaus der Siebenbürger Sachsen. Und schließlich, auf der anderen Neckarseite, die Burg Guttenberg. Die wohlerhaltene Burg mit Vorburg, Zwinger und stattlichem Mauerring kann besichtigt werden. Die Burgenstraße macht nun einen Abstecher nach Westen, nach Sinsheim, erst im Bad Wimpfen kommt unsere Route zurück an der Neckar. Wimpfen war während der Stauferzeit Kaiserpfalz, Kaiser Barbarossa und seine Frau Beatrix, Heinrich IV, Friedrich II und Heinrich VII haben in Wimpfen Reichstage abgehalten. Fast die gesamte Altstadt befindet sich auf dem Boden der Kaiserlichen Burg, von der noch einige Bauwerke erhalten sind: Der Blaue Turm, die Ringmauer, die Nordmauer des Saalbaues mit seinen Doppelarkaden, ein fünfgeschossiges Wohnhaus und die Pfalzkapelle sowie der Rote Turm. Über Bad Friedrichshall mit seinem Salzbergwerk und Neckarsulm (Audiwerk) führt uns nun die Route nach Heilbronn.

Durch Hohenlohe zur Tauber

Als wir von Norden kommend in die Stadt Heilbronn hineinfahren, ist unser erster Eindruck: Wir sind im Ruhrgebiet. Am Neckar ein großes Kraftwerk, Lastkähne und viel Industrie. Doch mit Heilbronn verhält es sich wie mit einer Nuss: Das Beste liegt im Kern. Das alte, historische Zentrum ist wirklich sehenswert. Rund um die altehrwürdige Kilianskirche finden wir die für das Hohenlohische so typischen Fachwerkwerkgassen. Heilbronn ist eine alte Reichsstadt, die in ein heiteres Tal eingebettet ist, das der Neckar geschaffen hat und von Weinbergen, Gärten und Wäldern umgeben ist. Die Stadt ist alt, an der Stelle eines Stammesheiligtums der Alemannen, die nach 260 nach Christi Geburt hier ansässig wurden, an einem heiligen Brunnen, entstand in frühmittelalterlicher Zeit eine kleine Ansiedlung mit einer Kirche, die dem Heiligen Michael geweiht war. Im 15. Jahrhundert war die Stadt eine bedeutende Handelsmetropole. Der Renaissance-Turm der Kilianskirche erinnert noch an diese große Zeit. Wir laufen durch die Gassen der Stadt, zum Rathaus mit seiner Uhr, die nicht nur die Zeit, sondern auch die Tierkreiszeichen anzeigt. Wir besuchen das „Käthchenhaus“, benannt nach dem Werk von Heinrich von Kleist. Hier könnte es gewohnt haben, das Käthchen von Heilbronn, das so unsterblichen in ihren Ritter von Strahl verliebt war.
Wir verlassen Heilbronn in Richtung Nordosten, nach Weinsberg. Es ist ein kleines Städtchen im Bannkreis der großen Stadt Heilbronn; und die meisten werden nur das Autobahnkreuz kennen, das sich seines Namens bedient. Eigentlich schade. Wir finden einen Parkplatz und spazieren durch die Straßen der Stadt, über der die Burgruine Weibertreu aufragt. Ist es Sage oder hat es sich tatsächlich zugetragen? 1140 belagerte Konrad III die Burg Weinsberg und erzwang schließlich die Übergabe. In königlicher Milde erlaubte er den Frauen in der Burg, das, was sie tragen konnten, aus der Burg mitzunehmen, bevor er die Burg plündern ließ. Doch die Frauen trugen ihre Männer aus der Burg, der König stand zu seinem Wort – und die Burg hatte ihren Namen. Weiter hinein ins Hohenloher Land. Durch Weinberge und Obstgärten fahren wir nach Öhringen, einer der vielen Residenzstädte der weitverzweigten Familie der Hohenloher. Direkt am Marktplatz das fürstliche Schloss. Und die Kirche, und ein gemütliches Gasthaus. Der weite Platz ist das Wohnzimmer der Stadt, und es ist ein gemütliches Wohnzimmer. Über Neuenstein mit seinem prächtigen Renaissance-Schloss, das mitten in einem Weiher steht und Waldenburg, das hoch oben über der Ebene auf einem Felssporn der Waldenburger Berge liegt, fahren wir nach Schwäbisch Hall.
Einen Stellplatz für unser Wohnmobil finden wir auf einem Parkplatz an der Kocher, dann machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Die ehemalige Reichsstadt verdankte ihren Reichtum einer Salzquelle und den sich daraus ergebenden Salzhandel. Von der Kocher bis hinauf zur alten Fernstraße nach Ellwangen zieht sich die historische Altstadt den Hügel hinauf. Zentrum ist der Marktplatz mit der Michaelskirche. Jetzt, am Abend, wird die Fassade der Kirche angestrahlt und leuchtet wie ein Edelstein. Gleich neben der Kirche finden wir ein Wirtshaus, in dem wir bei einem Schoppen guten Württemberger Weins den Tag ausklingen lassen. Schwäbisch Hall hat so viele schöne und romantische Winkel, dass wir erst am Nachmittag weiterkommen. Zunächst klettern wir hinauf zur Haller Ebene, dann wieder steil hinunter ins tief eingeschnittene Tal des Bühler, um gleich danach genau so steil wieder hinauf zu fahren. Bühler, Kocher und Jagst sind die drei Flüsse, die Hohenlohe durchfließen und so tiefe Täler gegraben haben. Langenburg, ebenfalls Hohenloher Besitz, ist unser Ziel. Hoch über dem Jagsttal liegt dieses Schloss, schon von weitem ist es zu sehen. Wir parken vor dem Schloss und können gerade noch die letzte Führung mitmachen. Direkt neben dem Schloss, im ehemaligen Marstall, befindet sich ein ebenfalls sehenswertes Automuseum. Der kleine Ort Langenburg hat einige Restaurants, ein Stadttor und – das Café Bauer. Neben den guten Torten gibt es hier eine besondere Spezialität, die Langenburger Wibele. Die Wibele sind ein feines Dessertgebäck, das seit 1763 hier gebacken wird. Ursprünglich nannte der Erfinder – Konditormeister Wibel – das Gebäck “Geduldzeltlich“. Diese mundeten dem Fürst zu Hohenlohe-Langenburg wesentlich besser als die verschiedenen Nachahmungen, die schon seinerzeit zu haben waren. Darum ordnete der damalige Fürst an: ”Ich will ein für alle Mal nur noch Wibele haben“. Seitdem trägt das Biskuitgebäck diesen Namen. Durch das Stadttor verlassen wir Langenburg, im Gepäck eine große Tüte Wibele und fahren über Kirchberg und Rot am See nach Rothenburg an der Tauber, wir haben Franken erreicht

Durch das Romantische Franken nach Nürnberg

Rothenburg ob der Tauber – der Inbegriff für mittelalterliche Städteromantik. Hier treffen sich Romantische Straße und die Burgenstraße. Und deshalb treffen sich hier auch viele Menschen, an manchen Sommerwochenenden ein bisschen zu viele Menschen. Rothenburg an einem schönen Werktag im April ist dagegen noch immer schön. Obwohl wir die Stadt schon öfters besucht haben, wandern wir gemütlich durch die Rödergasse in Richtung Marktplatz, lassen uns treiben vom Zauber dieser Stadt, in der die Zeit stehengeblieben scheint. Dehio, der große Kunsthistoriker, dem wir das „Handbuch der deutsch Kunstdenkmäler“ verdanken, meinte: Die Stadt als Ganzes ist ein Denkmal. Da ist zum einen die Fülle an bedeutenden Bauwerken, vom Rathaus über die Jakobskirche mit dem Riemenschneider-Altar bis hin zur Stadtmauer. Da ist aber auch die einmalige Stadtanlage als Ganzes. Rothenburg könnten wir tagelang durchstreifen, wir würden immer wieder etwas Neues entdecken. Doch wir sind ja on route, wir wollen weiter. Die Straße windet sich dem Abhang zur Frankenhöhe hinauf, die Apfelbäume blühen und verwandeln die Streuobstwiesen in ein Meer von Blüten. Die Sonnen steht schon tief, als wir in Colmberg eintreffen. Hoch über dem Ort die stattliche Burg, heute ein Hotel mit einem Restaurant, in dem wir „fürstlich“ zu Abendessen. Es ist ein wirklich warmer Abend, der eigentlich mehr in den August passen würde. Es ist schon dunkel, als wir in Ansbach auf dem großen Parkplatz gegenüber des Schlosses für heute den Motor ausschalten.
Ansbach – fürstliche Residenz – einen Hauch dieser Zeit verspüren wir, als wir vor der Ansbacher Residenz stehen. Ein Barockschloss fürwahr, doch irgendwie streng. Ist es ein preußischer Barock, den wir hier sehen? Schließlich gehörte das Fürstentum Ansbach den Hohenzollern, Kurfürsten in Brandenburg. Es fehlt ein wenig die barocke Verspieltheit, die wir aus den Kirchen und Klöstern Altbayerns und Österreichs her kennen. Im Inneren der Residenz entfaltet sich aber ein Feuerwerk des Rokoko, das seinesgleichen sucht. Nicht weit vom Schloss der Hofgarten mit der Orangerie. Hier steht ein Gedenkstein für Kaspar Hauser, jenes geheimnisvollen Mannes, der 1828 in Nürnberg auftauchte und in Ansbach 1833 gestorben ist. Auch die gotische Gumbertuskirche besuchen wir, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Über Sachsen (! So heißt der Ort wirklich) und Lichtenau fahren wir durch die heimelige Landschaft Mittelfrankens nach Wolframs-Eschenbach. Es ein kleines unberührt-mittelalterliches Städtchen mit vollständig erhaltenem Mauerring, mit zwei Toren und stillen Gassen, es ist aber auch der Geburtsort von Wolfram von Eschenbach, dem Dichter des Parzival. Wir besuchen hier die Pfarrkirche, eine dreischiffige romanische Hallenkirche. Ein Epitaph in der Kirche erinnert an den großen Sohn der Stadt. In Windsbach, nur wenige Kilometer entfernt, erlauben wir uns einen Abstecher. Heilsbronn (mit s, nicht zu verwechseln mit Heilbronn) besitzt ein wahres Kleinod: die Klosterkirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Heilsbronn, das 1132 von Bamberg aus gegründet wurde. 1149 wurde die Kirche geweiht. Das südliche Seitenschiff wurde später gotisch zu einem Mortuarium umgestaltet, denn die Kirche war die Grablege der Nürnberger Burggrafen. Wir bestaunen immer wieder, mit welch großer Kunstfertigkeit die Bildhauer im Mittelalter zu Werke gingen. Zurück zur Route und weiter nach Abenberg. Mitten im Ort die große wohlerhaltene Burganlage. In der Burg befindet sich heute ein Klöppelmuseum. Wir fahren weiter nach Roth an der Rednitz, jenem Flüsschen, das in der Fränkischen Alp entspringt und sich in Nürnberg zusammen mit der Pegnitz zum Fluss Regnitz vereinigt. Das Schloss Ratibor, direkt an der Rednitz, ist heute das Stadtmuseum. Wir folgen der Rednitz nach Schwabach, der alten Goldschlägerstadt. Das alte Handwerk der Blattgoldherstellung war in Schwabach weit verbreitet und brachte Wohlstand in die Stadt. Die gotische Stadtkirche zeugt noch von diesem Wohlstand der Bürgerschaft. Nach Nürnberg sind es jetzt nur noch wenige Kilometer, schnell sind wir in der alten Handelsstand. Wir laufen hinauf zur Burg und schauen über das Häusermeer, über St. Sebald und St. Lorenz. Unsere Tour ist hier nun zu Ende. 300 Kilometer sind wir gefahren, vom Rhein bis zur Rednitz – und es war schön.

 

 
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