Niederösterreich

    Wachau - Landschaft am Strom

    Manche Landschaften sind wie vertraute Melodien. Die Wachau ist so eine Landschaft:

    unwillkürlich erklingen im Kopf plötzlich Walzertöne wie der Donauwalzer oder das Mariandl-Lied. Uns geht das jedenfalls so. Wie oft haben wir uns schon entlang der Donau durch das Land treiben lassen und wenn dann in der Höhe die Wallfahrtskirche Maria Taferl auftaucht, beginnt für uns schon hier die Wachau, obwohl sie ja eigentlich erst bei Melk beginnt und dann bis Krems geht, dort, wo

     

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    der Strom die Enge überwunden hat und in die Ebene hinausfließt. Und jedes mal wieder müssen wir hinauf auf den Berg mit der berühmten barocken Wallfahrtskirche und von der Terrasse vor der Basilika hinausschauen auf den Strom und das Land, das er so nachhaltig geprägt hat. Ganz im Westen erahnt man mehr als dass man es sieht die Stadt Linz, im Süden ragen die Berge der Alpen auf, blau im Dunst des Sommertages und im Osten, wie ein Fels in der Brandung grüner Wiesen und Auwälder, das Stift Melk.
    Nach einem „Verlängerten“ auf der schönen Terrasse des Hotel Kaiserhofs – dafür haben wir immer Zeit – fahren wir wieder hinunter zur Donaustraße und hinein in das Tal, das die Donau mühsam in das harten Urgestein des Böhmerwaldes gesägt hat. Hinter Melk grüßt uns die Ruine Aggstein von ihrem hohen Felsen wie ein vertrauter Freund und ab Willendorf, wo es schon in der Steinzeit den Menschen gefiel, begleiten uns die Marillenbäume, im Frühling ein weißes Meer aus Blüten, im Sommer voll mit süßen, orangefarbenen Früchten. Kurz vor Spitz sehen wir die ersten Reben, die einige Kilometer weiter schon ganze Hänge bedecken. Spitz, Weißenkirchen, Dürnstein,  wie Perlen an einer Schnur liegen die kleinen Weinorte an der Donau, jeder mit eigenem Charakter, mit eigenen Weinlagen und Sehenswürdigkeiten. Und sind wir dann in Krems angekommen, öffnet sich die Stadt am Ausgang der Wachau mit all ihren Sehenswürdigkeiten, Museen und Einkaufsmöglichkeiten.

    Wo die Donau fließt... und man genießt

    Wenn die Donau durch Niederösterreich fließt, nimmt sie sich viel Zeit auf ihrem Weg durch die landschaftlichen Schönheiten, die hier das Auge erfreuen. Und bevor sie Wien erreicht, durchquert sie die Wachau – jenes Tal, dessen Weinbau-Terrassen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.
    Am Beginn und am Ende der südlichen Wachau thronen zwei Benediktiner-Stifte, Melk und Göttweig, die zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des gesamten Donau-Raums gehören. Das 21. Jahrhundert entdeckt neben diesen imposanten Bauwerken als ein lohnendes Ziel auch jenen Teil des Jakobswegs wieder, der Göttweig und Melk miteinander verbindet und durch den stillen und mystischen Dunkelsteinerwald führt. Schon im Mittelalter genossen die Jakobspilger nur zu gerne die Früchte der Weinberge und all die übrigen Köstlichkeiten, die in dieser ertragreichen Region wuchsen.
    Pater Martin, im Stift Melk für Kultur und Tourismus verantwortlich, kennt die Bedeutung des Genießens für ein gedeihliches Klosterleben: „Unser Ordensgründer, der Heilige Benedikt, wusste nur zu gut, dass unzufriedene Menschen keine guten Mönche sein können. Deshalb legte er Regeln für den maßvollen Umgang mit Essen und Trinken fest.“ – Maßvoll, nicht unkontrolliert. In seiner Ordensregel hatte der Begründer dieses Ordens einst sogar festgeschrieben, dass jedem Benediktinermönch täglich eine Hemina Wein zukommen solle. – Aber welcher Menge von Wein entspricht eine Hemina? Niemand weiß heute, was Benedikt vor 1500 Jahren damit gemeint haben könnte. Deshalb übersetzt Pater Martin „Hemina“ mit „schluckzessivem Genießen“.

    Wachauer Marillen

    Neben dem Wein hat die Donau-Region 100 Kilometer westlich von Wien aber noch andere Genüsse zu bieten. Zum Beispiel die Wachauer Marille. Diese Aprikosensorte wurde von der EU sogar als regionale Spezialität anerkannt. Nur hier in der Wachau gedeiht solch eine Aprikose, die mit ihrem Duft und Geschmack Genießer verzaubert. Ihre Einmaligkeit verdankt die süße Wachauerin dem mineralhaltigen Boden. Und sie profitiert von einem auch im Winter höchst angenehmen Klima in diesem Donau-Tal. Mehr als 200 meist kleine, aber sehr feine Anbau-Betriebe haben sich inzwischen zusammengeschlossen zu einem „Verband zum Schutz der Wachauer Marille“.
    Sogar die EU hat ihre Bezeichnung geschützt: Die „Wachauer Marille“ muss nicht Aprikose heißen! Denn diese Sorte gibt es nur in der Weltkulturerbe-Region Wachau, entlang der Donau. Traditionell wird sie in einem konischen Holzkorb namens Zistel gepflückt oder samtig-reif vom Baum geschüttelt.
    „Die „greaoaschat’n“ sind die Besten“, verkündet Harald Aufreiter von seiner Stehleiter und spielt damit auf das besondere Aroma jener Marillen an, die mit noch grünem „Hinterteil“ geerntet werden. In der romantischen Landschaft der Wachau, die schon vielen Filmen als herzerwärmende Kulisse gedient hat, biegen sich Ende Juli altgediente Bäume mit charakteristischen Rundkronen unter der Last der Marillenernte. Und auch in den Marillengärten der Aufreiters muss es dieser Tage schnell gehen. Denn die alten Sorten der Wachauer Marille – vorwiegend die Klosterneuburger und die Kremser – wollen ab Reife innerhalb von zwei Tagen verarbeitet sein. Darum legt die gesamte Familie Aufreiter von den Großeltern bis zur mittlerweile dritten Generation Hand an. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn eine maschinelle Ernte würde den zarten Früchten gar nicht gut bekommen.

    Von der Traube zur Marille

    Die Marillenpflanzungen der Aufreiters mit insgesamt rund 1.000 Bäumen erwuchsen ursprünglich aus dem Weinbau, aus der Gastronomie und der Zimmervermietung – wie bei so vielen der 180 Wachauer Marillenbauern. Aus ein paar Gläsern Marillen-Marmelade (Konfitüre), die man den Gästen exklusiv zum Frühstück kredenzte, entwickelte sich bald eine...


    Die vollständige Reportage Wachau - Landschaft am Strom  lesen Sie in Online-Heft 6.2014. Verpasst? Hier können Sie die Online-Ausgabe herunterladen - einfach und bequem!

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